statement on the allegations made:

(German Version below)

As a festival that has always stood up for anti-fascist and solidarity values, we are appalled by the acts of war in the Middle East, which claim innocent civilian victims on a daily basis.

In the context of these events, we were contacted by Golpe a few weeks ago. We were asked whether it would be okay for us if they hoisted the Palestinian flag on stage as a sign of solidarity with the Palestinians. As we see ourselves as an anti-national festival and reject any use of national symbols, we declined the request. In our eyes, national symbols do not stand for a free, emancipatory society, but for the exact opposite – for injustice, exclusion, patriotism and national pride as well as economic interests.

We agreed with Golpe that a banner could be hung up instead.  Golpe then sent us an email with the content of the Palestine solidarity banner that they wanted to hang up instead. Individuals from our crew were critical of the banner’s reference to the BLM movement. This demand was not the consensus of our festival crew as a whole. This demand should not be understood as a rejection of the use of the banner, nor should it relativize the suffering of the Palestinian people. At no time did we prohibit the use of the banner or any other form of expression of solidarity, as we were accused of doing by Golpe. We are sorry that there has been a misunderstanding and that Golpe has subsequently canceled the performance.

In the ensuing public debate, we were repeatedly accused of “censorship” and that we would not tolerate or would ban political statements, particularly with regard to the Middle East conflict. However, this is absolutely not true and would also contradict our own convictions. We are very much interested in a political exchange, be it with us, between the bands or the festival visitors. This is the only way we can develop further, whether as individuals or as leftists in general, and question and reflect on our own points of view.

We are aware of the complexity of the historical and current situation in the Middle East. And as heterogeneous as we are as an organizing group, so are the views and standpoints on the Middle East conflict within our group. The current events in Gaza and the treatment of the civilian population leave us more than speechless because, as in many other military conflicts, they are being carried out on the backs of those who are least responsible for them. We reject the authoritarian right-wing Israeli government, driven by religious fanaticism, and its settlement policy, which aims to expel Palestinians and permanently annex the occupied territories. We also reject the terrorist organization Hamas and its aspirations, as for us it also stands for a repressive, discriminatory and unfree system. Due to the complexity of the situation and the heterogeneity in our group, we do not see it as possible for us to provide simple answers or blanket partisanship in such a multi-layered geopolitical conflict. Instead, we advocate a differentiated debate that condemns violence, nationalism and oppression everywhere – regardless of who is responsible.

We know that this is a very emotional topic due to the infinite suffering that has been and is being inflicted on people. However, we find it a pity and sad that the current polarization makes political exchange difficult or almost impossible. Due to our many years of involvement and our commitment to emancipatory values, we are dismayed and saddened by the amount of hatred we have received since the debate began. We would like to see a differentiated and critical debate and stand up for this. We would like to apologize to all bands and participants for the delayed and misleading communication.

Your Paranoya-Crew

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German Version

Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen uns:

Als Festival, dass sich seit jeher für antifaschistische und solidarische Werte einsetzt, sind wir von den Kriegshandlungen im Nahen Osten, welche täglich unschuldige zivile Opfer fordern, entsetzt.

Im Kontext dieser Ereignisse wurden wir von Golpe vor einigen Wochen angeschrieben. Wir wurden gefragt, ob es für uns in Ordnung wäre, wenn sie auf der Bühne die Palästinafahne als Zeichen der Solidarität mit den Palästinensern hissen. Da wir uns als antinationales Festival verstehen und jegliche Verwendung von Nationalsymbolen ablehnen, verneinten wir die Anfrage. Nationalsymbole stehen in unseren Augen nicht für eine freie emanzipatorische Gesellschaft, sondern für das genaue Gegenteil – für Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Patriotismus und Nationalstolz sowie wirtschaftliche Interessen. 

Wir einigten uns mit Golpe darauf, dass stattdessen ein Banner aufgehängt werden könnte.  Daraufhin schrieb Golpe uns eine Mail mit dem Inhalt des palästinasolidarischen Banners, welches sie stattdessen aufhängen wollten. Von Einzelpersonen unserer Crew gab es hinsichtlich der Anlehnung des Bannerspruchs an die BLM-Bewegung eine kritische Nachfrage. Diese Nachfrage war nicht Konsens unserer Festivalcrew als Ganzes. Weder sollte diese Nachfrage als Absage zur Verwendung des Banners verstanden werden, noch sollte diese das Leid der palästinänsischen Bevölkerung relativeren. Eine Verwendung des Banners sowie jegliche andere Art der Solidaritätsbekundung haben wir zu keiner Zeit verboten, wie es uns durch Golpe vorgeworfen wurde. Es tut uns Leid, dass es deswegen zu einem Missverständnis gekommen ist und Golpe daraufhin den Auftritt abgesagt hat.

In der darauf entstandenen öffentlichen Debatte wurde uns immer wieder „Zensur“ vorgeworfen und das wir politische Statements, besonders in Hinsicht auf den Nahost-Konflikt, nicht dulden bzw. verbieten würden. Dies entspricht jedoch absolut nicht der Wahrheit und würde auch unseren eigenen Überzeugungen widersprechen. Wir sind sehr wohl an einem politischen Austausch, sei es mit uns, zwischen den Bands oder den Besucher_innen des Festivals interessiert. Denn nur so können wir uns, sei es als Einzelperson oder als Linke generell, weiterentwickeln und eigene Standpunkte hinterfragen und reflektieren.

Wir sind uns über die Komplexität der historischen sowie der derzeitigen Situation im Nahen Osten bewusst. Und so heterogen wir als Orga-Gruppe sind, so sind es auch die Ansichten und Standpunkte zum Nahost-Konflikt innerhalb unserer Gruppe. Die derzeitigen Ereignisse in Gaza und der Umgang mit der Zivilbevölkerung lassen uns mehr als sprachlos zurück, da diese, wie in vielen anderen militärischen Konflikten, auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die am wenigsten dafür verantwortlich sind. Wir lehnen die autoritäre rechtsgerichtete und von religiösem Fanatismus getriebene israelische Regierung ab, sowie ihre Siedlungspolitik, welche auf die Vertreibung der Palästinenser und dauerhafte Annexion, der besetzten Gebiete abzielt. Ebenso lehnen wir die Terrororganisation Hamas und deren Bestrebungen ab, da diese für uns ebenfalls für ein repressives, diskriminierendes und unfreies System steht. Aufgrund der Komplexität der Situation und der Heterogenität in unserer Gruppe, sehen wir es für uns nicht als möglich, in einem so vielschichtigen geopolitischen Konflikt einfache Antworten oder pauschale Parteinahmen zu liefern. Vielmehr setzen wir uns für eine differenzierte Auseinandersetzung ein, die Gewalt, Nationalismus und Unterdrückung überall verurteilt – egal von wem sie ausgeht.

Wir wissen, dass aufgrund des unendliches Leids, welches Menschen zugefügt wurde und wird, dies ein sehr emotionales Thema ist. Wir finden es jedoch schade und traurig, dass die derzeitige Polarisierung den politischen Austausch erschwert bis fast verunmöglicht. Wir sind auf Grund unseres jahrelangen Engagement und unseres Einsatzes für emanzipatorische Werte bestürzt und traurig, wie viel Hass uns seit Beginn der Debatte entgegen gebracht wurde. Wir wünschen uns eine differenzierte und kritische Debatte und stehen für diese auch ein. Für die verzögerte und missverständliche Kommunikation möchten wir uns bei allen Bands und Beteiligten entschuldigen.

Eure Paranoya-Crew